Warum die Verdauungsorgane oft verrückt spielen

Praktisch jeder ist irgendwann einmal im Leben davon betroffen: Die Verdauungsorgane machen Probleme, was sich in Blähungen, Sodbrennen, breiförmigen oder flüssigen Stühlen, Bauchschmerzen oder Krämpfe, schlechtem Mundgeruch, Müdigkeit, nächtlichem Schwitzen oder anderen Symptomen bemerkbar macht.
Wenn solche Probleme länger anhalten, ist der Besuch beim Arzt unumgänglich. In der umfangreichen Abklärung mit Koloskopie, Gastroskopie und Ultraschall des Bauches oder manchmal sogar Computertomographie kommt Gott sei Dank meist kein gravierender Befund außer eventuell einer leichten Gastritis zu Tage.

Also alles in Ordnung? Natürlich nicht, denn die Beschwerden sind ja tatsächlich vorhanden. Vielleicht wird dann noch die Suche nach Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten gestartet und man wird möglicherweise in Tests sogar fündig: Laktose Intoleranz und/oder Fruktose Intoleranz, oder gar Histamin Intoleranz. Das Problem scheint gefunden: „Ich bin halt einer von vielen, dem das Schicksal diese Unverträglichkeiten geschickt hat. Also werde ich jetzt eine Diät starten, die Milchprodukte, Obst und stark Histamin haltige Nahrungsmittel wie Wein, Käse,… weg lassen!“. Das ist die typische Reaktion darauf. Eine Besserung stellt sich meist zwar ein, aber ganz optimal ist es möglicherweise immer noch nicht.
Was wurde zu wenig bedacht?
Wir müssen anfangen, so wie die großen Naturheilsysteme, mehr in Funktionen zu denken. In der Natur und genauso in unserem Körper läuft nichts zufällig ab. Wir müssen wissen, dass jedes Organsystem eine bestimmte Leistungsfähigkeit hat. Wird dieses überfordert, stellen sich Probleme ein. Beim Essen heißt Überforderung inadäquates Essen, also zum Beispiel zu viel, zu schwer, zu spät, zu viele veschiedene Speisen auf einmal gegessen zu haben. Das ist die wahre Ursache, die den Verdauungstrakt in diesen überreizten Schwächezustand bringt. Wir sprechen dann gerne vom Reizdarm Syndrom und vergessen, dass wir es selber durch unvernünftiges Essverhalten ausgelöst haben.
Die Kraft unseres Darmes hängt ab von der persönlichen Konstitution, Alter, Essverhalten und psychischem Befinden. Störungen sind also kein Schicksal. Die Ernährung und die Art, wie ich auf alltägliche Herausforderung emotionell reagiere, sind Faktoren, die man bei entsprechender Verhaltensweise wieder ins Lot bringen kann.

Was verursacht die Probleme in meinem Verdauungssystem (Magen, Darm, Bauchspeicheldrüse)?

• Alle langandauernden negativen Emotionen wie Sorgen, Ängste, Ärger
• Chronisches Überessen
• Schlechtes Kauen
• Zu spätes Essen
• Unregelmäßigkeit
• Zu viel Rohkost
• Zu viele Süßigkeiten
• Chronischer Stress, innerer Widerstand (Unwilligkeit)

Daher sind folgende allgemeine Verhaltensmaßnahmen sinnvoll:

  • Am besten dem Verdauungssystem eine Regenerationspause (F. X. Mayr, Milde Ableitungsdiät) gönnen.
  • Möglichst regelmäßiger Tagesablauf und regelmäßige Mahlzeiten
  • Langsames bewusstes genussvolles Essen, gut kauen
  • Abends früher (mindestens 3 Stunden vor Schlafen) weniger und leichter essen.
  • Ausreichend Schlaf (7 bis 8 Stunden)
  • Mehr warme Mahlzeiten, weniger roh!
  • Einfachere Mahlzeiten (weniger verschiedene Bestandteile)
  • Yoga, Meditation, um ruhiger zu werden
  • Nicht zu viel gleichzeitig machen (Konzentration auf Essen)
  • Keine körperliche und geistige Überforderung
  • Die Ernährung der Jahreszeit anpassen ( im Winter viel Warmes, weniger Rohes)
  • Die Ernährung dem Alter anpassen (besonders am Abend weniger, nicht viel Rohes)
  • Die Ernährung den täglichen Herausforderungen anpassen (im Stress weniger essen)
  • Speisen immer ansprechend zubereiten
  • Ideal sind alle Farben und Geschmäcker in jeder Mahlzeit
  • Verwenden Sie viele wärmende Gewürze wie Ingwer, Zimt, Pfeffer, Nelken, Kümmel, Fenchel, Anis, Kardamom, Koriander, Rosmarin, Thymian, Basilikum, Oregano,…, alle aromatischen Gewürze sind günstig!

Welche Nahrungsmittelkombinationen sind besonders leicht verdaulich?

  • Je weniger verschiedene Nahrungsmittel, umso besser!
  • Besonders bei Obst nur eine Sorte (so viel man will!)
  • Zur Entlastung fasten oder Einzeldiät
  • Nur eine Kohlenhydratart pro Mahlzeit
  • Ideal: Eiweiß + Obst, Gemüse + Fett, Milch + Obst
  • Gemüse mit allem gut zu kombinieren
  • Nur eine Eiweißart pro Mahlzeit
  • Nicht Zitrusfrüchte und Kohlenhydrate
  • Nicht tierisches Eiweiß und Kohlenhydrate (Trennkost) gleichzeitig
  • Möglichst oft warme Mahlzeiten
  • Keine oder nur wenig Flüssigkeit zum Essen

Wie verträgt man Rohkost besser?

  • Besonders gut kauen und einspeicheln, bewusst und achtsam essen
  • nicht zu spät, nicht zu viel
  • Rohkost einer Sorte, Rohkost als alleinige Speise oder als Vorspeise

Ist der Verdauungstrakt in einem deutlich überreizten Zustand, dann ist eine Darmsanierung, quasi eine Erholungsphase und Reinigung für das ganze System, unumgänglich. Anschließend ist es wichtig, die individuell optimale Form der Alltagsernährung zu finden, die der Leistungsfähigkeit des eigenen Darmes entspricht. Alter, Konstitution, Jahereszeit und persönliche Vorlieben müssen dabei unbedingt berücksichtigt werden.

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