Fasten – die Kunst Überflüssiges weg zu lassen

Es gibt nur wenige Menschen, die nicht gerne essen. Und das ist gut so, denn unser Körper signalisiert mit einem gesunden Appetit, dass er regelmäßig die richtigen Nährstoffe braucht. Gott sei Dank erlaubt es unser Wohlstand, aus dem Vollen zu schöpfen. Aber haben wir mit dem steigenden Angebot auch gelernt, uns selbst zu begrenzen und aus dem großen Angebot das zu wählen, was uns wirklich gut tut?

Tatsache ist, dass sich in unserer Wohlstandsgesellschaft das „Ersticken im Überfluss“ zur Hauptursache der allermeisten Krankheiten entwickelt hat. „Selbstmord mit Messer und Gabel“ mag zwar etwas übertrieben klingen, doch sind die Auswirkungen unkontrollierten Essens auf unsere Gesundheit tatsächlich verheerend. Was Überessen akut bewirkt, hat jeder schon selbst erlebt. Die langfristigen Folgen werden jedoch gerne übersehen, zu sehr sind wir mit unseren liebgewonnenen Essgewohnheiten verhaftet. Diese Vogel-Strauß-Politik kann gefährlich werden, denn wenn wir die Signale des Körpers langfristig ignorieren, schrumpft unser Gesundheitskonto, von dem wir zu viel abbuchen, immer mehr.

Welchen Ausweg gibt es nun? Wer sich längerfristig überisst, muss kurzfristig in den Gegenpol des Überschusses – das Fasten – gehen, um dem Körper eine Pause zur Regeneration zu verschaffen. Essen und Fasten sind die zwei gegensätzlichen Komponenten unserer Ernährung und sollten in der richtigen Relation zueinander stehen. Essen darf dominieren und die neue Fastenströmung, jeden 2. Tag nichts zu essen mag vielleicht etwas zu radikal sein. Dazwischen gibt es jedoch eine Reihe von anderen Möglichkeiten, die richtige Balance zwischen Essen und Erhaltung der Gesundheit zu finden.

Fasten ist das wunderbarste Mittel der Wiedergutmachung, das wir unserer strapazierten Gesundheit anbieten können. Die erfreuliche Botschaft ist, dass Fasten einfacher ist, als man denkt! Fasten ist ein zeitlich begrenztes und bewusstes Nein sagen zum bisherigen Essverhalten mit dem Vorsatz, das Leben im Anschluss daran auf einem höheren Niveau weiterzuführen. Es ist eine unglaubliche Erleichterung, ja meist eine positive Neuerfahrung, zu erkennen, dass wir eigentlich viel weniger zum Essen brauchen und willensstärker sind, als wir angenommen haben. Fasten ist ein wunderbares Gegenmittel gegen die Trägheit, die sich immer wieder einschleichen möchte und hilft außerdem, unseren inneren und äußeren Blick zu schärfen. Schon bei kurzzeitigem Fasten geschehen oft Veränderungen, die man kaum für möglich gehalten hätte.

Der Begriff Fasten geht auf das mittelhochdeutsche Wort „vasten“ zurück und bedeutet „sich (charakterlich) festigen“. Es umschreibt ganz wunderbar eine Voraussetzung und Belohnung des Fastens, denn es braucht in der Tat ein gewisses Maß an Willenskraft, alltägliche Gewohnheiten wenigstens für einen begrenzten Zeitraum zu durchbrechen. Zumindest am Beginn ist dieser bewusste Willensakt des Verzichtens nötig. Sobald man erst einmal mittendrin ist, geht alles leichter als erwartet. Aber gerade die Angst, mit dieser neuen Situation überfordert zu sein, ist der Grund, warum Fasten die Menschen derart polarisiert. Wer das Fastenexperiment wagt, ist durchwegs von dieser neuen Erfahrung begeistert. Nur standhafte Fastenverweigerer, denen der Mut für dieses Experiment fehlt, sind in der Regel erbitterte Gegner.

Wenn Sie die Wirkung des Fastens schnell erfassen wollen, können Sie sich folgende Analogie vorstellen: Sie zünden einen Holzofen mit einigen trockenen Holzscheitern an und warten, bis das Feuer gut brennt. Jetzt versuchen Sie, in die Zwischenräume so viele Holzscheiter wie nur möglich hineinzustopfen. Das Feuer wird dadurch immer schwächer und geht vielleicht sogar aus. Was kann das Feuer wieder zum Lodern bringen? Die Lösung liegt nicht darin, ein weiteres, besonders gutes Buchenscheit hinein zu legen, sondern darin, das überschüssige Holz zu entfernen.

Fasten entzündet tatsächlich wieder neues Feuer in unserem Körper, unserem Geist und unserer Seele. Frische Energie, klare Gedanken und die Lust, dem tieferen Lebenssinn auf die Spur zu kommen, sind ebenso Resultate, wie eine neuentfachte Gesundheit im Ganzen. Fasten und Weglassen des Unnatürlichen sollten daher in unserer modernen Medizin, die manchmal noch zu sehr auf aktives Machen und Reparieren konzentriert ist, immer mehr zu einer Therapieoption werden. Regeneration und Heilungsprozess können dann wieder durch diese Entlastung von innen her geschehen. Und das Großartige ist, dass Fasten – die Kunst, Überflüssiges wegzulassen – weit über das Essen hinaus und auf jedes beliebige andere Gebiet angewandt werden kann. So liegt im Fasten ein Schlüssel, der uns nicht nur das Tor zu Gesundheit von Körper, Geist und Seele aufsperrt, sondern uns letztendlich wahre innere Freiheit bringen kann.

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